EcoScore – Nachhaltiges Festivalverhalten messbar machen und belohnen
Nachhaltiges Verhalten an Festivals ist möglich — aber selten sichtbar oder belohnend. EcoScore verbindet Cashless-Systeme und Gamification zu einer App, die nachhaltige Entscheidungen messbar macht und mit konkreten Rewards verknüpft.
Gruppe 01 · Gurtenfestival Bern · Mai 2026 · 4 min Lesezeit
Tags: Umweltdaten · Nachhaltigkeit · Gamification · Festivals · Gurtenfestival · Design Thinking
Wie lässt sich nachhaltiges Verhalten an Festivals fördern, ohne zu belehren? EcoScore verbindet Cashless-Systeme, Gamification und konkrete Belohnungen zu einer App, die nachhaltige Entscheidungen sichtbar und attraktiv macht.
Kontext
Grosse Musikfestivals wie das Gurtenfestival in Bern ziehen jedes Jahr Zehntausende Besuchende an. Was oft im Hintergrund bleibt: Ein erheblicher Teil der Emissionen entsteht nicht durch die Infrastruktur, sondern durch das Verhalten der Gäste selbst vor allem bei der Anreise, beim Essen und beim Umgang mit Abfall.

Obwohl viele Besuchende Nachhaltigkeit grundsätzlich wichtig finden, klafft im Festivalmoment oft eine Lücke zwischen Einstellung und tatsächlichem Verhalten. Nachhaltigere Optionen sind häufig vorhanden, aber kaum sichtbar und selten mit einem direkten persönlichen Vorteil verbunden. Veranstalter können gute Rahmenbedingungen schaffen, das konkrete Verhalten der Gäste aber nur begrenzt steuern. Genau hier setzt EcoScore an.
Ziel und Aufgabe
EcoScore ist eine digitale Plattform, die nachhaltige Entscheidungen von Festivalbesuchenden sichtbar macht, mit Punkten belohnt und spielerisch ins Erlebnis einbettet. Statt zu belehren oder einzuschränken, setzt die App auf freiwillige Anreize, Challenges und konkrete Vorteile.
Im Mittelpunkt stehen drei Bereiche, die Besuchende direkt beeinflussen können: Mobilität (50%), Recycling und Mehrweg (30%) sowie Verpflegung (20%). Die Gewichtung orientiert sich an der tatsächlichen Umweltwirkung. Mobilität ist der mit Abstand grösste Hebel.
EcoScore-Formel:

Für jede nachhaltige Handlung wie eine ÖV-Anreise, ein vegetarisches Gericht oder die Rückgabe eines Mehrwegbechers sammeln Besuchende Punkte. Diese fliessen in einen persönlichen EcoScore ein und schalten ab bestimmten Schwellenwerten Belohnungen frei: von einem Badge über Getränkegutscheine bis zu einem Fast-Lane-Zugang für die Eco Champions.

Das Pilotprojekt ist für das Gurtenfestival Bern konzipiert. Das Festival eignet sich besonders, weil es bereits viele nachhaltige Rahmenbedingungen bietet wie gute ÖV-Anbindung, Mehrwegsysteme, Recyclingstationen und gleichzeitig über ein digitales Cashless-System verfügt, auf das EcoScore direkt aufbauen kann.
Methoden
Das Projekt folgte dem Design-Thinking-Ansatz nach Lewrick et al. (2018) und prüfte die Lösung entlang der drei Dimensionen Desirability, Feasibility und Viability.
01 — Annahmenprüfung und Literaturrecherche: Zentrale Annahmen zu Emissionsquellen und Nutzerverhalten wurden anhand von Fachliteratur und dem direkten Austausch mit dem Gurtenfestival geprüft. Die Literatur bestätigte, dass die Anreise der wichtigste Emissionsbereich ist und dass Nachhaltigkeitsmassnahmen nicht belehrend wirken dürfen.
02 — Persona und Customer Journey : Mit der Hauptpersona Lea (24, Studentin in Bern) wurde die typische Nutzungssituation durchgespielt — vom Ticketkauf über die Anreise bis zur Reward-Einlösung nach dem Festival. Die Customer Journey deckte Touchpoints, Motivationsmomente und mögliche Hürden auf und floss direkt in das Nutzungskonzept ein.
03 — Prototyp in Figma und React: Ein interaktiver Figma-Prototyp mit sieben Screens (Login, Dashboard, Anreise, Festival-Info, Challenges, Rewards, Profil) wurde entwickelt. Ergänzend entstand ein React Web App Prototyp mit vollständiger Scoring-Logik, Reward-Stufen und Leaderboard.
04 — Wirtschaftlichkeitsanalyse (5 Jahre): Ein detailliertes Finanzmodell wurde für den Zeitraum 2026–2030 entwickelt, basierend auf einem B2B-Lizenzmodell, Sponsoring durch SBB/BERNMOBIL, Recyclingpartner und eine nachhaltige Lebensmittelmarke sowie Datenreporting-Services. Ab Jahr 2 wird pro Jahr maximal ein weiteres Festival als Lizenznehmer skaliert.
Ergebnisse
Am Ende des Projekts liegt ein vollständig ausgearbeitetes Produktkonzept vor — von der nutzerzentrierten App über die technische Systemarchitektur bis zum validierten Wirtschaftlichkeitsmodell.
📲 Funktionsfähiger Prototyp React Web App mit vollständiger Punktelogik, sechs Reward-Stufen, sechs Anreiseoptionen und einem Leaderboard. Interaktiver Figma-Prototyp mit sieben Screens.
🏗️ Technisches Konzept Zielarchitektur als React Native App mit Node.js Backend, AWS Frankfurt (EU-Server), Cashless-API-Integration und DSG/DSGVO-konformer Datenschutzarchitektur nach dem Privacy-by-Design-Prinzip.
📋 Nutzungs- und Wirtschaftlichkeitskonzept Vollständiges Nutzungskonzept mit Anspruchsgruppen, Nutzenversprechen, Nutzungsszenarien und Customer Journey. Wirtschaftlichkeitskonzept mit Break-Even-Analyse, NPV und 5-Jahres-Modell.
🗺️ Roadmap und Pilotplan Strukturierter Einführungsplan: Konzeptvalidierung (2–4 Wochen), MVP-Entwicklung (8–12 Wochen), Pilotbetrieb am Gurtenfestival, anschliessende Optimierung und Skalierung auf weitere Festivals.

Wirtschaftlichkeit auf einen Blick
EcoScore zeigt, dass nachhaltiges Verhalten an Festivals nicht durch Verbote gefördert werden muss, sondern durch Transparenz, spielerische Anreize und konkrete Belohnungen. Das Konzept ist wirtschaftlich tragfähig, technisch umsetzbar und richtet sich konsequent an den Bedürfnissen der Besuchenden aus.
Proof of Concept / Jupyter Notebook:
Gruppe 01: Barisic Marin, Baumer James Raymond, Endraseelan Habisan, Imfeld Lars, Srikaran Kajeethan · Business Case Study · Mai 2026